Liebe Gemeinde,
November: also Regenwetter, Trauertage, Buß- und Bettag, Totensonntag und doch auch wunderbare Sonnenuntergänge, Friedensdekade, Ewigkeitssonntag, das alles erwartet uns im neuen Monat.
Wir werden öfter auf dem Friedhof sein als in anderen Monaten.
Ich bin gerade über den Friedhof gegangen und denke an diese und jenen, die jetzt hier begraben liegen. Sie stehen mir ganz lebendig vor Augen, teils höre ich ihre Stimme und weiß, wie sie sich bewegt haben. Es scheint so unwirklich zu sein, dass sie jetzt hier in der kalten Erde im Grab liegen. Und ich frage mich: schauen sie aus der neuen Welt zu, wie ich hier an ihren Gräbern vorbeispaziere und ihre Namen erinnernd und ihrer gedenkend lese? Ob sie gestaunt haben, dass es den Himmel doch in echt gibt? Ob Christus sie abgeholt hat in der Todesstunde und sie herausgerissen hat aus dem Totenreich? Ob Christus sie in den Himmel getragen hat? Ich wünsche es ihnen. Ich wünsche es mir. Ich wünsche mir, dass Christus mich eines Tages hier abholt und hinüberträgt in die neue Welt. Uns gemeinsam wünsche ich, dass uns diese Hoffnung durch diesen November mit seinen besonderen, auch besonders dunklen, Tagen trägt.
Der Monatsspruch kann uns dazu hilfreich sein, der heißt:
“Gott spricht: sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.“ Ein starkes Bild. Tränenüberströmt kommen die Menschen bei Gott an. Sie werfen sich ihm in die Arme und finden Trost bei ihm. Was sie erlebt haben, was sie durchgemacht haben, was sie zu verarbeiten hatten! Es sind Tränen nach schmerzvollen Erfahrungen, Tränen auch über das, was man zurücklassen musste. Wie ein Kind, das zur Mutter rennt und sich den erlebten Schmerz schluchzend von der Seele weint. Hier hören wir: es gibt ihn also, den Tag danach, wenn alles überstanden ist. An diesem Tag, so erzählt es Jeremia, der Prophet, wird Gottes Nähe ganz neu erfahrbar sein. Darauf dürfen wir hoffen.
Einen gesegneten November!
Ihre Pfarrerin Antje Leschik


Das Beste in Lobeda: Hier kommt die Welt zusammen. Ich gehe in den Kindergarten „Arche Noah“ und feiere in einer kleinen Gruppe Gottesdienst. 13 Kinder aus 7 verschiedenen Nationen singen und beten gemeinsam. Das Beste an Lobeda ist die Vielfalt und wenn das Zusammenleben in diesem Stadtteil gut geht, dann ist das der eigentliche L e u c h t t u r m der Stadt Jena. Jetzt sagt aber jemand: „Frau Krieg, sie leben aber nicht hier: Da sind die Gruppen mit jungen Männern, die fremden Gerüche und Arabisch und Russisch ist manchmal mehr zu hören als unsere eigene Muttersprache.“ JA. Die Herausforderungen sind groß. Und viele von Ihnen setzen sich täglich damit auseinander. „Betet für die Stadt zum Herrn“ sagt Jeremia. Das ist eine Möglichkeit. Die andere… sich auch ein bisschen daran zu freuen, dass unser Stadtteil Menschen beherbergen kann, die dem Krieg oder der Rechtlosigkeit entflohen sind. Wir können vielleicht nicht Heimat, aber ein Zuhause geben, ein Dach, ein Brot, eine freundliche Begegnung. Wir sind a l l e darauf angewiesen. Erntedankfest wird in vielen Religionen gefeiert. Ich sage heute Dank für das Brot, den Frieden und manche Herausforderungen, die die Menschlichkeit in uns zum Wachsen bringen. Auch darum können wir bitten! Feiern wir miteinander:

aber“-Sätze? Ja, Gottesdienste können wir feiern, aber was ist mit unseren Gemeindefesten? Ja, für diesen Tag danke ich, aber was wird morgen sein? Ja, für meine Gesundheit danke ich, aber meine Familie sollte anders sein. Ja, für meine Familie danke ich, aber was ist mit meinen Schulden? Ja ,für meine Kinder danke ich, aber was ist mit meinen Nachbarn?




