Andacht am 27.03.2020

Danke.

Es ist erst eine Woche her, seit es diese Andachten hier auf der Webseite gibt. Seit zwei Wochen sind die Restaurants und die Schulen zu. Mir erscheint es viel länger. Wie aus einer längst vergangen Zeit.

Was hat sich nicht alles geändert? Wie schnell ist es gegangen? Haben wir wirklich erst vor zwei Wochen bei den Großeltern zusammen Geburtstag gefeiert? Inzwischen sieht man sich nur noch aus der Ferne, damit wir in Zukunft noch viele Geburtstage zusammen feiern können.

Da abzusehen ist, dass der Zustand bis nach Ostern, vielleicht bis Pfingsten, andauern wird, möchte ich Sie einladen, den Blick auf die positiven Dinge zu richten.

Ein Teil der Familienmitglieder hat sich zum gemeinsamen Video-Chat getroffen. Man hat miteinander gesprochen, Nichten und Enkel haben die älteren Herrschaften erfreut, mit ihnen konzentriert gesprochen. Alles haben zugesehen und sich mit ihnen gefreut. Man möchte sich öfter per Video sehen. Bis dahin ruft man sich gegenseitig häufiger und länger an, bleibt im Gespräch.

Auch innerhalb der Gemeinde ersetzt ein Anrufdienst den bisherigen Besuchsdienst, zur Freude der Angerufenen. Vielleicht hat man sogar mehr Zeit im Gespräch als sonst. Schließlich sind die Wege kürzer. Mehr miteinander zu reden, ist üblich geworden. In Thüringen wird fast dreimal soviel telefoniert, wie vor einigen Wochen. Wir sollten das beibehalten, als guten Vorsatz.

Und wenn man mal raus muss? Einkaufen übernehmen oft die Nachbarn oder die jüngeren Verwandten. Aber zum Arzt?Online Wartezimmer Diese Woche musste ein Hautarzt konsultiert werden. Auf der Webseite der Praxis wurde eine Video-Sprechstunde angeboten, die wir ausprobierten. Fotos von der Problemstelle machen und hochladen, Versicherungsdaten abgeben und wir fanden uns in einem Wartezimmer wieder. Kurz darauf öffnete sich ein Videochat mit einer Ärztin im Homeoffice, sie hat ihr Kleinkind bei sich. Entspannt von Couch zu Couch wurde diagnostiziert und das Medikament kommt zwei Tage später direkt von der Apotheke per Post. Nach einer halben Stunde war alles vorbei. Genial! Das möchte ich auch behalten.

Trotzdem bohren die Fragen: Wie geht es weiter? Hat es überhaupt einen Sinn, das öffentliche Leben so runter zu fahren? Ist die Sorge wegen so einer Grippe nicht übertrieben?

Es ist keine Grippe, denn die Influenzaviren kennt unser Körper, unser Gesundssystem. Viele sind geimpft oder haben die Krankheit schon durchgemacht. Diese immunen Personen geben den Virus nicht weiter. Das bremst die Ausbreitung. Bei SARS-CoV.-2 ist das anders. Es gibt keine immunen Personen, ein Impfstoff ist noch nicht verfügbar, Medikamente zur Behandlung der schweren Fälle auch nicht. Aber wir können so tun, als seinen wir immun: Wir geben den Virus einfach nicht weiter, weil wir zu Hause bleiben. Soweit die Theorie.

In der Praxis zeigen die Maßnahmen in Jena Wirkung. Bastian Stein erstellt täglich ein Bild der Krankheitsmeldungen. Es zeigt, dass wir den gefürchteten exponentiellen Verlauf sei einigen Tagen verlassen haben und auf eine abflachende Kurve einschwenken. Wir haben sogar schon die ersten fünf genesenen Patienten. Das macht Hoffnung. Es zeigt uns, wie gut wir in Jena es schaffen, die Immunität zu simulieren. Unser Krankenhaus wird nicht überrannt werden. Voll ja, aber nicht überrannt.

Danke.

Euer Lutz Donnerhacke

Lutz Donnerhacke
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1 Kommentar zu „Andacht am 27.03.2020“

  1. Ralf Krieg sagt:

    Danke für deine hoffnungsvolle Andacht in diesen verwirrenden Zeiten! Wirklich, durch unsere “simulierte Immunität” erleben wir außergewöhnliche, aber auch besondere und schöne Situationen. Plötzlich ist der Mensch wieder ganz um Mittelpunkt. Danke für all die Gedanken hier auf dieser Seite. Das kann einem Mut machen, wir wissen uns verbunden – mehr denn je. Und, vielleicht geht es mit jedem Genesenen dieser “Grippe” ja doch real aufwärts. Tagesschau.de schrieb heute : “Immunität sehr wahrscheinlich” https://www.tagesschau.de/inland/corona-forschung-101.html Ralf

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