Wochenandacht am 18.05.2020

Liebe Gemeinde,

wenn ich telefoniere, höre ich, dass viele von uns in den letzten Wochen viel aufgeräumt haben. Manche haben sogar Fenster geputzt und viele haben Großeinsatz in den Schränken gemacht oder sogar manches im Keller aus den Regalen entsorgt.

Welch eine Wohltat, wenn man plötzlich ein freies Fach hat! Natürlich muss man entscheiden, was man noch braucht und was überflüssig ist. Gerümpel muss weg. So ist es auch gut, zu entscheiden: welche Gedanken, die mir ständig im Kopf herumkreisen, kann ich aussortieren? Damit Platz werden kann für etwas Neues. Welchen Ballast kann ich wegwerfen? Woran muss ich mich nicht weiter heften? Woran muss ich nicht weiter festhalten, weil es mir und meinem Umfeld nicht gut tut? Wovon möchte ich mich erlösen lassen, von dem, was mich geprägt hat? Von dem, was mir zum Ballast geworden ist?

Der Bibelspruch für diese Woche ist Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet (Psalm 66,20).

Auch wenn ich Gott schon –zig Mal die Ohren vollgeheult habe über dieses und jenes – er wirft mein Gejammer nicht einfach weg oder lässt es abprallen, er bleibt mir wohlgesonnen. Das ist echt zu loben! Und darüber kann ich mich wirklich von Herzen freuen! Dann bin ich ganz da in der Gegenwart dessen, aus dem wir kommen und zu dem wir gehen. Manchmal sind es die großen Worte des Lobens und Dankens, die uns über die Lippen kommen, manchmal ist es ein ruhiges Einverständnis, das keiner Worte bedarf.

Es ist auf jeden Fall wie Atmen für die Seele. Es ist das, was unser Leben lebendig erhält trotz aller Fragen, aller Zweifel, aller Krisen. Und wenn es uns tatsächlich vollkommen die Sprache verschlägt, wenn wir nicht wissen, was und wie wir denken und beten können? Dann bringen wir’s zu Gott, den wir nicht verstehen und der uns fremd geworden ist. Wer mit Gott lebt und von der Kraft seines Wortes, der kann gar nicht anders, der muss mit Gott reden. Wer Gott nichts fragt, wer ihn nichts bittet und ihm nichts klagt, der wird Gott wohl erst mal nicht hören. Wenn wir beten, dann bringen wir unsere Ängste, unsere Erfahrungen und unsere Erwartungen mit Gottes Handeln ins Gespräch. Indem wir das tun, erfahren wir seine Gegenwart, atmen wir seine Kraft, wächst in uns seine Liebe, erfüllt uns sein Friede, der höher ist als alle Vernunft. Wir erleben: Gott wendet seine Güte nicht ab.

Sprechen wir in dieser Woche jeden Tag diesen Psalmvers, so sind wir als Gemeinde miteinander und mit der weltweiten Christenheit verbunden. Wir loben dann Gott mit seinen Möglichkeiten und vertrauen auf seine Güte.

So können wir jeden Tag dieser kommenden Woche getrost, gelassen und zuversichtlich sein. Es komme, was mag.

Bleiben Sie behütet! Ihre Pfarrerin Antje Leschik

Antje Leschik
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