Andacht am 02.04.2020

Neulich sagte mir mein Gegenüber am Telefon:“ – das hat selbst die DDR- Regierung nicht geschafft, dass die Kirchen zu sind. Es muss doch jemand einen Profit davon haben!“

Ich bekam einen großen Schrecken. Brauchen wir einen Schuldigen? Lebt es sich in den Unbillen der Corona- Krise leichter, wenn ein Feind erkennbar wird?  Meine Gedanken gehen weiter: Kritik und Ungeduld und Enge- was macht das mit den Menschen?

Sich davon zu befreien- zuschlagen- wäre das dran?

Aber ich sagte zu ihr: „Es gab schon mehrere Virusepedemien, Sars und Ebola, was furchtbar ansteckend und tödlich war.“

Sie meinte dazu:  „Aber das war doch in Afrika!“

Wieder mein Entsetzen: „ Das sind doch auch Menschen!“

Warum erzähle ich das?  Mir wurde klar, dass wir in unserem behüteten Dasein zum ersten Mal mit der ganzen Welt zusammen betroffen sind. Es ist nahe an mich und an sie herangerückt, die Gefahr für Leib und Leben.

Ich  telefoniere, sende Mails und schreibe Briefe . Das tut gut .

Woher holt sich meine eigene  Seele Kraft?  Tief im Herzen ruht die Gewissheit, in Gottes  Liebe  eingebettet zu sein- egal, was kommt.

Dann erinnere ich mich an unsere schönen Gottesdienste mit den Menschen, die mir nahe stehen, an die Lieder! Und ich singe sie im Inneren!  Die Metaphern für mein Leben aus der Bibel kommen mir in den Sinn. Leidenszeit ist es jetzt.

– Auch ein Mit- Leiden mit den Ängste anderer.-

So versuche ich , dies Telefonat auszuhalten und ihren Gedanken mein Wissen und Glauben entgegen zu reichen.

Über meinem Bett hängt ein alter Spruch aus Lukas 12/12:

Seid fröhlich in Hoffnung

Geduldig in Trübsal

Haltet an  am Gebet .                        Es ist mein Geländer in vermintem Land .

Maria Mothes

Ralf Krieg
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