Andacht am 25.03.2020

Liebe Leser,

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Johannesevangelium Kapitel 12 Vers 24)

Das ist der Spruch, der nach unserer Kirchenjahresordnung vom Sonntag Laetare her über dieser Woche steht.

Die Kinder vom Kinderkirchenkarussell probieren es gerade zu Hause aus, was passiert, wenn ein Weizenkorn in die Erde gesteckt wird. Wir wissen es schon: seine Gestalt löst sich auf. Aus seiner Umgebung nimmt es Erde auf und verwandelt sich in eine neue Gestalt. Nur das Wesentliche, sein genetischer Bauplan, bleibt erhalten, nein er vervielfältigt sich sogar: eine ganz neue Pflanze wächst heran und bringt viele solcher Weizenkörner hervor. Das braucht Zeit und ist unseren Augen zunächst verborgen. Aber es geschieht wirklich und es ist zum Staunen, zum Freuen.

Jesus erklärt Seinen Jüngern am Schicksal des Weizenkorns, was mit Ihm Selbst geschehen wird: Auch Er erstirbt und wird in die Erde gelegt. Er ist offen für die leblose Materie um Sich herum. Er gibt Seine menschliche Gestalt auf und lässt Sich mit allen, die Seine Nähe suchen, zu einem neuen Organismus, einem neuen Leib auferwecken. Wir können das nicht ergründen. Aber es geschieht wirklich und es ist zum Staunen, zum Freuen (lat.: laetare).

Diese Passionszeit ist in besonderer Weise dazu geeignet, in die Nähe Jesu zu kommen und alles mitzubringen, was an uns leblose Materie ist. Er kann sie verwandeln. Der französische Mathematiker und Christ Blaise Pascal (1623-1662) hat gesagt: „Es ist nicht auszudenken, was Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens machen kann, wenn wir sie ihm ganz überlassen.“ Nutzen wir die unerwarteten Freiräume in diesen Tagen, um Jesus zu suchen, auf Ihn zu warten, Sein Anklopfen wahrzunehmen und unser Leben tiefer mit Ihm zu teilen. Er wird Sich uns in unseren Herzen als der Lebendige zu erkennen geben und uns Stück für Stück mit Seinem Wesen prägen.

In Jesu Nähe wachsen wir gleichsam zu Seinen Früchten heran, bestimmt dazu, selbst Jesu Leben und Wesen weiterzugeben – wie das Weizenkorn in der Erde.

Eine so erfüllte Passionszeit wünscht Ihnen

Ihr Roland Hendel

hendel
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