🙏 Andacht am 14.04.2021 – KGV Lobeda

Roland Hendel

Liebe Ostergemeinde,

mir geht immer noch der ungläubige Thomas aus dem Evangelium des letzten Sonntags  nach. „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich’s nicht glauben“ sagt Thomas seinen Mit-Jüngern ganz frei und offen. Geht´s uns nicht auch so wie dem Thomas? Auch wir waren ja am Osterabend nicht mit bei den Jüngern, als sich der auferstandene Jesus ihnen zeigte. Auch wir wollen eigene Gewissheit haben über das einzigartige Ereignis der Auferstehung. Meine Enkelin hat´s mal auf den Punkt gebracht mit dem Seufzer: „Warum kann man nur den Jesus nicht sehen!“ Noch besser wäre, etwas, nein: ihn in den Händen zu haben. Thomas hat das zu seiner Glaubensbedingung gemacht. Der traut sich was. Aber Jesus geht darauf ein. Nach nur einer Woche der Ungewissheit zeigt er sich dem Thomas. Und nicht nur das: „Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“, fordert Jesus den Thomas auf. Das genügt. Thomas ist überwältigt: „Mein Herr und mein Gott.“ Thomas hat noch immer nichts in der Hand. Aber er weiß sich in den guten Händen Jesu. Er hätte seine Zweifel an der Auferstehung Jesu noch bis ins Unendliche weitertreiben können und wäre dabei nie zum Glauben gekommen – so wie das manche unserer Zeitgenossen zu tun scheinen. Glauben ist etwas anderes als bis zu einem letzten Beweis zu kommen. Glauben ist ein persönliches Vertrauensverhältnis zwischen zwei Personen. Dass Thomas Jesus wirklich berührt hat, davon wird gar nichts mehr berichtet. Die lebendige Begegnung mit Jesus war´s, die Thomas geholfen hat. Wo und wie so eine entscheidende Begegnung stattfindet, das hat niemand in der Hand. Aber Offenheit für ihn beantwortet Jesus offenbar mit seinem Entgegenkommen – wenn das auch von Mensch zu Mensch verschieden ist. Der Jünger Johannes brauchte nur das leere Grab zu sehen. Da war für ihn gewiss: Jesus ist auferstanden, wie er vorausgesagt hat. Thomas brauchte noch etwas mehr Entgegenkommen.

Was uns von den Aposteln unterscheidet: sie haben den Auferstandenen noch leiblich gesehen, sie waren die Zeitzeugen sozusagen. Wir aber haben ihr verlässliches Zeugnis. Darin ist auch unser Glaube geerdet. Solchen Glauben hält Jesus als für besonders wertvoll, indem er sagt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“

Bis heute begegnet Jesus Menschen, die sich im Grunde nach ihm sehnen. Die etwas ausgeflippte Punk-Sängerin Nina Hagen hat einmal in einem Interview darüber gesprochen, dass auch sie die Frage nach Gott umgetrieben hat. Ihre Glaubensbedingung damals war: Wenn es Gott wirklich gibt, dann muss heute noch etwas Einschneidendes passieren. Noch am selben Tag brach sie sich ein Bein. Das genügte ihr. Seitdem ist sie auf ihre eigene Art eine bekennende Christin.

Ich bin dankbar, dass das Johannes-Evangelium die Sache mit dem zunächst ungläubigen Thomas nicht verschweigt. Sie kann uns Mut machen, unsere Zweifel tapfer durchzutragen und Geduld zu haben, bis uns eine neue Begegnung mit dem auferstandenen Jesus geschenkt wird, die uns Gewissheit gibt und  ein lebendiges Verhältnis zu ihm – also rechte Osterfreude. Die wünscht Ihnen Roland Hendel

P.S.: Der Apostel Thomas war dann übrigens noch sehr tüchtig, den Menschen in Indien das Evangelium weiterzusagen. Noch heute berufen sich die Christen in Indien auf ihn und verehren ihn.

Ralf Krieg
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