Andacht am Karfreitag

Liebe Gemeinde,

Karfreitag ist ein Tag, der uns überfordert und der uns doch in ganz besonderer Weise wesentlich werden lässt. So viele Deutungen von Jesu Kreuz sehen wir.

In diesem Jahr ist mir neben anderem wichtig geworden: Das Kreuz Christi ist das Mit-leiden Gottes mit der gequälten Kreatur (Jürgen Moltmann: „Der gekreuzigte Gott“). Wir alle, die ganze Kreatur, sitzen auf einem Planeten, alle in einem Boot. Der Virus macht nicht Halt vor Ländergrenzen, eine Krankheit geht um die Welt. Jede von uns kann krank werden, schwer krank, sterben. Theoretisch wissen wir das, jetzt ist es uns ganz nah gerückt.

Ich höre heute Worte aus Psalm 90,12: Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Klug werden wir, wenn wir solche Worte, in denen Gott zu uns spricht, hören. Klug ist es zu sehen, wie wir sind: begrenzt und verletzlich. Klug ist es zu sehen, wer wir sind: Geschöpfe Gottes. Nicht mehr und nicht weniger. Jede von uns. Alle Kreatur. Genau das ist am heutigen Karfreitag 2020 einfach nicht zu übersehen.

Wir hören heute: Jesus sagt: Es ist vollbracht. Das ist ein großes Wort. Ich höre Stolz über das Erreichte, aber auch Erleichterung, dass die Strapazen vorbei sind. Es entsteht daraus mehr als das ehrende Gedenken an einen Helden. Es entsteht die Lust, ihm nachzufolgen. Immer wieder sehen und hören wir von Menschen, die ein Verlust hart trifft, die aber aus diesem Verlust auferstehen dürfen als neue Menschen in ein neues Leben. Ein Geheimnis dieses neuen Lebens ist es, dass sie ihr Vertrauen nie nur auf sich, was auch geschah, sondern immer auch auf Gott gesetzt haben. Also: eine Hand im Himmel haben, woran uns Gott festhält, wenn gerade hier auf der Erde nichts zu halten scheint. Denken wir daran: Gott ist ein Gebet weit von uns entfernt (N. Sachs).

Kennen Sie die kleine Kirche in Bergern (99438 Bad Berka), ganz in unserer Nähe? Hier hat der irisch-amerikanische Künstler Matt Lamb dieses Bild gemalt, dass Sie hier sehen. Ist es Christus selbst? Ist es ein Engel? Ist es irgendein Mensch? Schauen Sie das Bild an und lassen Sie es zu sich sprechen!

Wenn Sie mögen, lesen Sie dazu das Gebet von Antje Sabine Naegli:
Wo bist du, mein Gott? Groß ist mein Entsetzen.
Meine Seele ist aufgerissen bis auf den Grund.
Ich finde keinen Trost. Erschöpft ist meine Kraft.
Verlassen hast du mich. Das sagen meine Gedanken.
Aber ich wage den Widerspruch: Du weißt, was mir geschieht.
Mitten in aller Bedrängnis bist du bei mir.
Du birgst mich im Boot deiner Hände. Du wirst mich ans Ufer tragen.
Im Rückblick werde ich deine Treue erkennen und mich über dich freuen.

Bleiben Sie in allem, was Sie denken und tun behütet!

Ihre Pfarrerin Antje Leschik

Antje Leschik
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