Andacht am 22.03.2020

Haben Sie so etwas schon erlebt?

So eine stille Zeit. Kaum Menschen auf der Straße. Alles ist anders als noch vor einem Monat. Wie eine still-steh Zeit.

Uns fehlen die Worte. Die Situation, in der wir leben, ist ver-rückt. Dieses Wort trifft ist für mich am besten: ver-rückt. Eine verrückte Zeit.

Wir sind verunsichert und haben Angst – nicht allein vor dem Virus – auch vor der Ungewissheit: Wie geht es mit der Arbeit weiter? Welche finanziellen Absicherung gibt es? Welche Stresssituationen kommen noch auf uns zu? Fragen über Fragen. So viele Fragen.

Unser Glaube verdrängt diese Fragen nicht, sondern hilft uns diese zu tragen, zu bewältigen, weil wir wissen, Gott ist auch jetzt da. Wir bleiben welche, die getragen werden.

Kennen sie dieses Wort von Martin Luther? Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupt fliegen, kannst du nicht ändern. Aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern. Das Gebet ist der erste Schritt um Nester zu verhindern.

Die Glocken rufen uns zum Gebet, die läuten wie jeden Sonntag. Im Gebet verbinden wir uns mit Gott und untereinander. Glocken haben zu allen Zeiten zum Gebet gerufen.

Wachet und betet, so singen wir. Tun wir das z.b. mit Psalmworten. Die haben durch die Jahrhunderte Kraft gegeben. Manchmal erschrecken uns diese alten Worte, und doch bin ich immer wieder erstaunt über die Offenheit mit der Betende ihre Gefühle und Gedanken vor Gott bringen. Sie sehnen sich danach, dass Gott wirklich in ihr Leben eingreift.

Z.B. können wir beten mit den Worten von Psalm 6:

Ich bin wie ein morscher Baum.
Mach mich wieder gesund, Herr.
Denn meine Knochen sind brüchig.
Meine Seele ist voller Angst.
Herr, ich frage dich: Wie lange noch?
Komm doch zu mir zurück, Herr.
Hilf meiner Seele aus dem Unglück heraus.
Rette mich, du bist doch voller Güte.
Denn im Tod denkt keiner mehr an dich.
Und unten im Totenreich: Wer singt dort noch zu deinem Lob?
Vom Seufzen bin ich ganz erschöpft.
Nachts schwimmt mein Krankenbett in Tränen.
Vom vielen Weinen ist mein Kissen nass.
Vor Kummer sind meine Augen geschwollen.
Sie haben ihren ganzen Glanz verloren.
Was mein Leben zerstören will, umgibt sie.
Mach dich davon du Vogel Todes,
denn der Herr hat mein Weinen gehört.
Der Herr hat mein Bitten gehört.
Der Herr nimmt mein Gebet an.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang so auch jetzt und immerdar. Und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Bleiben sie behütet
Bleiben sie unter Gottes Schutz

Antje Leschik
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